Ein Bild des schiefen Turms von Pisa, dazu der Vermerk: Bitte nicht gerade rücken! Dieses Foto konnte jeder mit in die Dorfkirche nehmen, der zum Sonntagsgottesdienst während des Schöneicher Heimatfestes gekommen war. Doch was sollte ihm dieses schöne, aber sichtbar nicht perfekte Bauwerk sagen?
Pfarrerin Steffi Jawer sprach in ihrer Predigt von dem vergeblichen Streben der Menschen, immer alles perfekt zu machen, Schiefes gerade zu rücken. Die Bauleute im 12. Jahrhundert bewiesen Mut. Sie bauten den Turm von Pisa, der sich nach Fertigstellung der dritten Etage zu neigen begonnen hatte, hundert Jahre später einfach weiter – schief, aber er steht immer noch.

Wir dürfen auch mal nicht perfekt sein. Vermeintlich Dummes kann vielleicht auch Kluges sein. „Gott sieht alles in Gnade und Barmherzigkeit an; sollten wir das als Menschen nicht auch tun?“ Selbstverständlichkeiten sind in unseren unsicheren Zeiten ins Wanken geraten. „Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut, / für die Ängste, für die Sorgen, / für das Leben heut und morgen. / Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.“

      In den Gemeindegesang mischten sich zum Schluss immer deutlicher die kräftigen Töne der Bergkapelle Rüdersdorf, die nebenan zum musikalischen Frühschoppen aufspielte. Das fröhliche Treiben, das schon am Sonnabend viele Feierlustige aus Schöneiche und dem Umland angezogen hatte, nahm wieder Fahrt auf. An beiden Tagen bot sich ein buntes Programm. Es wurde getanzt und gesungen, Theater gespielt, geradelt und um die Wette gelaufen. Vereine, Einrichtungen und Initiativen informierten über ihre Arbeit, und auch die Feuerwehr war wieder dabei. Einen großen Teil des Programms bestritten Kinder mit Konzerten, Tanzdarbietungen und einer Märchenaufführung. Schöneiche kann sich freuen über die vielen jungen Menschen.

      Zu einem richtigen Fest gehören natürlich auch vielfältige leckere Angebote für Leib und Seele. Das Kirchencafé der evangelischen Gemeinde vor dem Pfarrhaus war stets umlagert. Die verführerischsten Kreationen, von Gemeindegliedern gebacken und herbeigebracht, lagen da auf dem langen Tisch – und lagen dort meist nicht lange. Blumengeschmückte Tischchen luden zum Verweilen und zu manchem guten Gespräch.

      All den vielen Helfern, die das Gelingen des Festes erst möglich machten, gebührt großer Dank. Es ist eine gute Tradition, dass auf den Heimatfesten auch immer Schöneicher Bürgerinnen und Bürger für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet werden.

      Alles perfekt? Einige Besucher vermissten Angebote, wie es sie früher gab. Die Schwierigkeiten der vergangenen Jahre mögen ihre Nachwirkungen haben. Und dann war auch ein Wunsch zu hören: Können die Gottesdienste künftig nicht wieder auf dem Anger stattfinden, mitten im Ort als Teil der Dorfgemeinschaft? Regen natürlich ausgeschlossen, wie er diesmal die feierliche Eröffnung am Freitag mit der Begrüßung durch Bürgermeister Ralf Steinbrück komplett sabotierte. Ein Unwetter mit Donner, Blitz und Wassergüssen fegten Straßen und Festplätze leer.

      Die Schöneicher nahmen es als gegeben hin. Es muss nicht stets alles perfekt sein. Wir können auch mal etwas gerade sein lassen, was eigentlich schief ist. Der Turm von Pisa steht ja auch immer noch.

Christian Weser, Eva Gonda