Urlaub.

Wir packen unsere Koffer, die einen eher sparsam einen kleinen Koffer, andere reisen für alle Situationen vorsorgend mit größerem Gepäck. Kleidung für wärmere und auch für etwas kühlere, vielleicht regnerische Sommertage – je nach Reiseziel. Bürokleidung ist nicht angesagt – jede und jeder nimmt das mit, worin er oder sie sich wohl fühlt. Vieles, was sich als nützlich und manches, was sich als überflüssig erweisen wird.

Und natürlich viel Reiselust. Das ist vielleicht das wichtigste. Es geht ja nicht nur um Abwechslung, raus aus unserem normalen Alltag – für etliche verbunden mit der Sorge, dass ein Mensch, für den sie sonst sorgen, auch in dieser Zeit gut über diese Tage kommt. Reiselust: das hat auch mit der Suche nach einem anderen Ich zu tun. Eine Seite von sich zu leben, die sonst zu kurz kommt. Veränderungen auf Probe. Für jeden Tag ein Löffel vom Lieblingsmüsli reicht nicht aus für das Frühstück, natürlich findet nicht für alle Tage die jeweils ganz richtige Hose Platz im Koffer, und natürlich wird die Lieblingsmusik im Internet nicht so wie zu Hause auf der CD verfügbar sein. Es wird vielleicht auch anders gehen. Eine Erfahrung, die nach zu Hause mitzunehmen durchaus lohnend sein kann.

Und dann ein zweiter Gedanke. Hinter der Reiselust und dem Wunsch, für einige Tage zumindest ein klein wenig anders als sonst leben zu können, steckt auch der Wunsch, dass dies sorglose Tage sein mögen. Frei vom üblichen Stress unseres Alltags mit Arbeit, mit Lernen oder Sorgearbeit, mit Haushaltsarbeit, mit ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Gemeinde oder anderswo und manches andere. Sorglose Tage: es ist vorgesorgt, geplant, bestellt und organisiert – ich muss mich nicht kümmern. Ich kann mich auf alles einlassen: es wird schon gut sein, mich vielleicht fordern aber nicht überfordern, es wird passen. Es werden andere Menschen da sein, an meiner Seite sein. Ich will meine Freude über das, was ich sehe, teilen: auf den Fahrtstrecken, beim Gehen, beim Essen, beim Betrachten von Kirchen und Kunst und anderem.

Einige Tage anders leben können ist ein Geschenk, nicht meine Leistung.

Vor fast 200 Jahren (1826) veröffentlichte Joseph von Eichendorf die Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Sie gilt als ein Höhepunkt der deutschen Spätromantik. Hier finden wir neben dem Text auch Gedichte und Lieder; auch viele Menschen, die die Novelle nicht gelesen haben, kennen eines davon:

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen den schickt er in die weite Welt.
Dem will er seine Wunder weisen, in Berg und Wald und Strom und Feld.“

Das Gedicht geht noch weiter, in demselben sorglosen Ton. Ein bisschen naiv scheint sie – die Sorglosigkeit. Aber das ist nur ein raffinierter Trick. Eigentlich ist sie Ausdruck dessen, dass hier jemand sein Geschick Gott anvertraut:

„Den lieben Gott lass ich nur walten; der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
und Erd und Himmel will erhalten, hat auch mein Sach aufs Best bestellt.“

Damit nimmt das charmante In-den-Tag-hinein-leben eine interessante Wendung. Das ist nicht naiv, sondern von einer großen Tiefe und Weisheit: wer unbeschwert reisen will, reist am besten mit leichtem Gepäck. Das heißt, das meiste bleibt zu Hause: was uns belasten würde; zu viele Sachen und zu viele Gedanken an das, was uns nach der Rückkehr erwarten wird. Wir brauchen das nicht immer mit uns herumzutragen, nicht immer in unseren Gedanken von links nach rechts und wieder zurück zu wenden, wenn nur eines dabei ist: das Vertrauen ins Leben, das Vertrauen auf Gott. Wer dies Vertrauen hat, ist vielleicht nicht alle seine Sorgen los. Aber die Sorgen haben weniger Gewicht.

Wenn es gut geht, ist das Reisen genau das: ein guter Anlass / eine gute Zeit, das, was uns belastet, los zu lassen. Und damit auch ein bisschen mehr zu dem zu werden, der man eigentlich sein möchte. Und das Schönste daran: vielleicht bleibt ein bisschen davon auch nach der Heimkehr erhalten. Das wünsche ich allen Reisenden.

Und auch: Gesunde Heimkehr. Gottes Segen über unseren Fahrten und Wegen:

Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen, mögest du den Wind im Rücken haben,
und bis wir uns wieder sehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

Thomas Trantow