Nun sind wir wieder zurückgekehrt – von den „Protestantischen Orten in Süddeutschland“ ins ehemalige protestantisch geprägte Preußen. Wir: 5 Gemeindeglieder aus unserem Sprengel und 18 Menschen überwiegend aus anderen Gemeinden des Kirchenkreises Berlin-Südost.

Wir – 23 Menschen der Jahrgänge 1936 bis 1958 – waren zu einer Reise aufgebrochen, auf der Spuren der Reformation und verwandte Themen im Mittelpunkt standen. Wir haben aber auch Spuren der Römer und des Mittelalters und immer wieder Spuren des 30-jährigen Kriegs gesehen. Wir haben den „Flickenteppich“ aus 400 Ländereien auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg und die Privilegien der „Freien Reichsstädte“ kennengelernt; wir haben viel Interessantes über die Entwicklung vom Mittelalter in die Neuzeit und die Folgen der Neuordnung Europas durch Napoleon erfahren.

Ein eindrücklicher Schwerpunkt waren sehr gut erhaltene mittelalterliche Innenstädte (u.a. Oettingen, Nördlingen, Schwäbisch Hall und Rothenburg ob der Tauber) und beeindruckende Kirchen und Dome mit wunderbaren Kunstwerken (u.a. von Riemenschneider und Cranach). Wir haben uns mit Themenschwerpunkten wie Reformation, Lutheraner und Reformierte, Pietismus und Evangelikalismus, Schuld und Erbsünde, dem Augsburger Bekenntnis (1530 – heute noch hinten in unserem Gesangbuch abgedruckt) und dem Stuttgarter Schuldbekenntnis von Oktober 1945 (Gedenktafel in der Markuskirche in Stuttgart) befasst.

Ganz erstaunlich, wie viele Menschen sich auch in kleinen Orten zu Stadtfesten zusammenfinden. So waren in Oettingen mit 4000 Einwohnern am Wochenende etwa 30.000 Gäste gewesen; Rothenburg war voll von in mittelalterliche Kostüme gekleideten Menschen, die in Gruppen (in Chören und Spielmannszügen, mit Hellebarden und anderen Requisiten) durch die Stadt zogen – das sollen mehr als 2000 Personen gewesen sein. Die Vorstellung, zum Heimatfest in Schöneiche 7 1/2-mal so viele Menschen wie Einwohner begrüßen zu können (das wären etwa 100.000 Menschen) ist wohl etwas irreal.

Mit dem 1536 gegründeten evangelischen Stift in Tübingen haben wir eine Einrichtung zur Förderung der Ausbildung von Pfarrern und Religionslehrern kennengelernt, die uns sehr beeindruckte. Ich hatte das Glück, auf der Orgel in der Stiftskapelle ein Choralvorspiel von J.S. Bach spielen zu dürfen.

Die Welt verändert sich schnell und grundlegend – nicht absehbar, wie die Welt in 500 Jahren aussehen könnte und ob es dann dieses Stift noch geben wird. In Gesprächen mit Betreuungspersonen in offenen Kirchen erfuhren wir, dass auch dort der Glaube sich immer weiter ausdifferenziert und dass es immer schwieriger wird, für Glaubensfragen gemeinsame Sprache zu finden. Die „klassischen“ Gemeinden würden schrumpfen und fusionieren – zugewandtes diakonisches Handeln, insbesondere in evangelischen Kindergärten und Schulen, in ev. Krankenhäusern und Pflegeheimen sei stark gefragt. Und dass es auch dort immer schwieriger wird, Ehrenamtliche zu gewinnen – nicht anders als bei uns.

In unserer Reisegruppe – 16 „Wiederholungsreisende“ und 7 „Neue“ – haben wir gute Gemeinschaft erfahren, die getragen hat (trotz einiger organisatorischer Pannen, die durch das beauftragte Reisebüro verursacht waren). Wir sind dankbar für die Reise und all das Schöne, das wir gesehen haben, und das erlebte Miteinander. Wir freuen uns auf die nächste gemeinsame Reise im Frühjahr 2027. Davor, an einem Abend des Ökumenischen Gesprächskreises im Herbst oder im Winter, werde ich von dieser Reise erzählen.

Thomas Trantow