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Schöneiche, 4. Januar 2026
Liebe/r {name},
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ – so lesen wir in der Jahreslosung, einem Text aus der Offenbarung 21,5 – dem letzten Buch der Bibel, der als Leitwort für das ganze Jahr ausgewählt wurde.
Dieser Vers ist Teil einer Vision des Johannes von Patmos. Johannes lebte zur Zeit des Kaisers Domitian am Ende des ersten Jahrhunderts auf der kleinen griechischen Insel Patmos, etwa 30 km von Kleinasien entfernt.
Domitian war ein besonders autoritärer römischer Kaiser, der sich als „Gott auf Erden“ verehren ließ. Wahrscheinlich wegen seines christlichen Glaubens war Johannes auf diese Insel verbannt worden. Er schildert dort die Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, in der Leid, Tod und Tränen überwunden sind. Gott tritt als der handelnde Ursprung dieser neuen Wirklichkeit auf.
Wir haben die Weihnachtsbotschaft noch gut in Erinnerung: Gott kommt nicht mit Macht, die Welt zu verändern, sondern als kleines Kind – ohnmächtig und angewiesen auf Menschen, die ihn aufnehmen. „Mein Herz will ich ihm schenken“ heißt es in einem Weihnachtlied – Weihnachten ereignet sich wesentlich im Innen des Menschen.
„Siehe, ich mache alles neu“ kann ich auch auf mein „Innen“ beziehen. Als Einladung, diesen göttlichen Impuls der Erneuerung auf mich zu beziehen. Als Einladung, alte, belastende Muster des Agierens und Reagierens loszulassen. Als Einladung zu glauben, dass durch radikale Erneuerung auch meine Altlasten (Angst, Scham, ungelöste Konflikte) verwandelt werden können. Als Einladung zum Verzeihen – wenn ich verzeihe, befreie ich mich.
Vielleicht bedarf es realer Krisensituationen, wie sie die hochschwangere Maria ohne Herberge oder der Seher Johannes auf der Insel der Verbannten durchlebt haben, um die auf uns eher befremdlich oder bedrohlich wirkenden Bilder des letzten Buchs der Bibel zu verstehen. Doch viele von uns fühlen sich existentiell bedroht und erhoffen eine grundlegende Veränderung der Verhältnisse: „So wie es ist, kann es nicht weiter gehen – wir brauchen einen neuen Anfang.“
Das predigte auch der andere Johannes – Johannes der Täufer. Er rief nicht zum Umsturz auf, sondern zur Umkehr. Wir brauchen Erneuerung – aber nicht von oben diktiert, sondern in unseren Herzen. Es wird Zeit, dass wir bereit werden, die Balken in unseren Augen zu erkennen, statt bevorzugt über die Splitter in anderer Menschen Augen zu sprechen.
Es wird Zeit, dass wir die Botschaft von Weihnachten und den Impuls der Jahreslosung zusammenbringen; dass wir den Gedanken einer tieferen Erneuerung so ernst nehmen, dass er wirken kann wie ein Katalysator, der Prozesse beschleunigt, die ohnehin möglich sind, indem er die Schwelle (z.B. erforderlicher Mut, Größe des Vertrauens) senkt. Dass dieser Impuls uns leitet auf einen Weg, durch Phasen der Krise in eine neue Identität hineinzuwachsen.
Die „Tage zwischen den Jahren“ und der Neujahrstag liegen hinter uns – vor uns liegt 2026. Möge jede und jeder von uns in diesem Jahr in den entscheidenden Momenten das Bewusstsein für die jeweils anstehende Entscheidung haben – auch wenn das zunächst Unsicherheit und Angst bedeutet, Umkehr oder Transformation. Mit „weiter so“ wird nichts neu werden.
Wir dürfen hoffen, dass das, was wir real sehen, noch nicht das Ende ist. Wir dürfen uns von der Hoffnung anderer Menschen – auch von der Hoffnung des Sehers Johannes, die er in seiner Vision des „himmlischen Jerusalems“ beschreibt – anstecken lassen. Und wir dürfen durch unser Sein und Tun dazu beitragen, das Licht der Hoffnung weiter zu tragen, mit anderen Menschen zu teilen und zu mehren.
Ein weites Jahr liegt vor uns – viele Tage und viele Chancen zu sehen, wo das gute Neue, das werden soll, schon am Werden ist. In uns und in der Welt.
Mit herzlichen Grüßen Thomas Trantow |