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Schöneiche, 16. April 2025
Liebe/r {name},
Karwoche 2025 – morgen Gründonnerstag, Erinnerung an den Einzug Jesu nach Jerusalem, vor etwa 2000 Jahren, auf einem geliehenen Esel – so die Geschichte. Die einzige Geschichte, die zweimal im Jahr gelesen wird: in der Karwoche und am 1. Advent. Auf einem Esel, nicht auf einem hohen Ross – nicht wie die Mächtigen vieler Jahrhunderte, die in die von ihnen beherrschten Städte einritten. Man könnte sagen: eine Karikatur einer solchen Machtdemonstration, oder: ein Zeichen aus einer anderen Welt. Jesus aus Galiläa, aus einer Gegend, die abseits des weltstädtischen Wirtschafts-, Kultur- und Machtbetriebs lag, deren Menschen von den Hauptstädtern in Jerusalem als "anders", vielleicht auch als etwas zurückgeblieben angesehen wurden. Auch heute, nahe bei uns, gibt es etwas im Abseits liegende Gegenden, z.B. in der Prignitz und in manchen Teilen Ostbrandenburgs. Da ist manches anders, aber eine über die Jahrhunderte und die ganze Erde verbindende Frage Jesu ist überall die gleiche: Wie kann ich einem anderen Menschen zum Nächsten werden. So wird deutlich, dass es nicht die Frage ist: Wo finde ich einen "Nächsten" – sondern dass es um MEINE Einstellung geht: Wie werde ich dem anderen zum Nächsten – wie komme ich zu der Haltung, den Menschen meines Alltags ein Nächster zu sein, auch in den alltäglichen Konflikten. Neben unseren kleinen Konflikten gibt es so viele Großbrände auf der Welt, dass viele Menschen sich am liebsten ganz zurückziehen möchten und davon nichts wissen möchten. Aber es hilft nicht, die Welt den Mächtigen und ihren Machtspielen zu überlassen. Davon hören und sehen wir täglich in den Nachrichten aus anderen Teilen der Welt und seit nun schon langen Jahren auch wieder in Europa. Wir können dankbar sein, zum Himmel blicken zu können ohne Angst vor Flugzeugen, vor ballistischen Raketen oder vor Drohnen. Dieser Tage erinnern wir uns auch an die letzten Kämpfe des Zweiten Weltkriegs, an die Schlacht um Berlin. Berlin-Rahnsdorf war der Anfang der Befreiung Berlins von der Terrorherrschaft – es kostete dann aber noch sehr viele Menschenleben. Wir heute wissen, dass in der Katastrophe, in den Ruinen der Anfang eines Neuen gelegt war. Und wir wissen, dass wir die Welt nicht den Mächtigen allein überlassen dürfen, dass wir – jede und jeder für sich – eine Balance suchen müssen zwischen Widerstand und Ergebung. Übermorgen wird Karfreitag sein. "Christe du Lamm Gottes" – hier verbinden sich alttestamentliche Vorstellungen vom Gottesknecht und vom Opferlamm mit Jesu Leben und Sterben. Für mich sind diese Tage der Karwoche ein Raum, über mein Leben, über sein Woher und Wohin und über seinen Platz in dieser Welt nachzusinnen. Ich bin dankbar für alle Impulse, die ich in Gottesdiensten, in Passionsmusiken, in Radioandachten und Texten und immer wieder in persönlichen Gesprächen erhalte. Liebe/r {name}, wir – das Team vom Newsletter – wünschen Euch und Ihnen und uns allen, dass in den persönlichen Katastrophen und in den großen Katastrophen immer wieder ein Licht aufscheint, dass uns zeigt, dass es auch da weiter geht, wo wir es uns nicht einmal vorstellen können. Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am Gründonnerstag, am Karfreitag, in der Osternacht und am Ostermorgen sowie zu den musikalischen Veranstaltungen am Karfreitag und am Ostermontag.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Trantow
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