SommerSegen

Sommer-Psalm von Hans Dieter Hüsch

Herr, es gibt Leute die behaupten
der Sommer käme nicht von dir
und begründen mit allerlei und vielerlei Tamtam
und Wissenschaft und Hokuspokus
Dass keine Jahreszeit von dir geschaffen

und dass ein Kindskopf jeder der es glaubt
und dass doch keiner dich bewiesen hätte
und dass du nur ein Hirngespinst…
Ich aber hör nicht darauf

Und hülle mich in deine Wärme
und saug mich voll mit Sonne
und lass die klugen Rechner um die Wette laufen
Ich trink den Sommer wie den Wein

Die Tage kommen groß daher
und abends kann man unter deinem Himmel sitzen
und sich freuen
dass wir sind
und unter deinen Augen leben

Liebe Menschen aus Schöneiche und rund um den Müggelsee, liebe Gäste,
schicken wir unsere Sommerherzen auf Entdeckungsreise,
inhalieren wir, was uns Kraft gibt,
halten wir Ausschau, wo andere Halt brauchen,
erzählen wir einander, was uns berührt,
betrachten wir unser Leben in Dankbarkeit,
sorgen wir für Frieden,
hier vor Ort oder auf Reisen.

Kostbare Sommererfahrungen und Gottes Segen,
Ihre und Eure Pfarrerin Steffi Jawer

Foto: PIXABAY

Heimatfest 2024 in Schöneiche – ein Rückblick

Ein Bild des schiefen Turms von Pisa, dazu der Vermerk: Bitte nicht gerade rücken! Dieses Foto konnte jeder mit in die Dorfkirche nehmen, der zum Sonntagsgottesdienst während des Schöneicher Heimatfestes gekommen war. Doch was sollte ihm dieses schöne, aber sichtbar nicht perfekte Bauwerk sagen?
Pfarrerin Steffi Jawer sprach in ihrer Predigt von dem vergeblichen Streben der Menschen, immer alles perfekt zu machen, Schiefes gerade zu rücken. Die Bauleute im 12. Jahrhundert bewiesen Mut. Sie bauten den Turm von Pisa, der sich nach Fertigstellung der dritten Etage zu neigen begonnen hatte, hundert Jahre später einfach weiter – schief, aber er steht immer noch.

Wir dürfen auch mal nicht perfekt sein. Vermeintlich Dummes kann vielleicht auch Kluges sein. „Gott sieht alles in Gnade und Barmherzigkeit an; sollten wir das als Menschen nicht auch tun?“ Selbstverständlichkeiten sind in unseren unsicheren Zeiten ins Wanken geraten. „Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut, / für die Ängste, für die Sorgen, / für das Leben heut und morgen. / Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.“

      In den Gemeindegesang mischten sich zum Schluss immer deutlicher die kräftigen Töne der Bergkapelle Rüdersdorf, die nebenan zum musikalischen Frühschoppen aufspielte. Das fröhliche Treiben, das schon am Sonnabend viele Feierlustige aus Schöneiche und dem Umland angezogen hatte, nahm wieder Fahrt auf. An beiden Tagen bot sich ein buntes Programm. Es wurde getanzt und gesungen, Theater gespielt, geradelt und um die Wette gelaufen. Vereine, Einrichtungen und Initiativen informierten über ihre Arbeit, und auch die Feuerwehr war wieder dabei. Einen großen Teil des Programms bestritten Kinder mit Konzerten, Tanzdarbietungen und einer Märchenaufführung. Schöneiche kann sich freuen über die vielen jungen Menschen.

      Zu einem richtigen Fest gehören natürlich auch vielfältige leckere Angebote für Leib und Seele. Das Kirchencafé der evangelischen Gemeinde vor dem Pfarrhaus war stets umlagert. Die verführerischsten Kreationen, von Gemeindegliedern gebacken und herbeigebracht, lagen da auf dem langen Tisch – und lagen dort meist nicht lange. Blumengeschmückte Tischchen luden zum Verweilen und zu manchem guten Gespräch.

      All den vielen Helfern, die das Gelingen des Festes erst möglich machten, gebührt großer Dank. Es ist eine gute Tradition, dass auf den Heimatfesten auch immer Schöneicher Bürgerinnen und Bürger für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet werden.

      Alles perfekt? Einige Besucher vermissten Angebote, wie es sie früher gab. Die Schwierigkeiten der vergangenen Jahre mögen ihre Nachwirkungen haben. Und dann war auch ein Wunsch zu hören: Können die Gottesdienste künftig nicht wieder auf dem Anger stattfinden, mitten im Ort als Teil der Dorfgemeinschaft? Regen natürlich ausgeschlossen, wie er diesmal die feierliche Eröffnung am Freitag mit der Begrüßung durch Bürgermeister Ralf Steinbrück komplett sabotierte. Ein Unwetter mit Donner, Blitz und Wassergüssen fegten Straßen und Festplätze leer.

      Die Schöneicher nahmen es als gegeben hin. Es muss nicht stets alles perfekt sein. Wir können auch mal etwas gerade sein lassen, was eigentlich schief ist. Der Turm von Pisa steht ja auch immer noch.

Christian Weser, Eva Gonda

Reisegedanken

Urlaub.

Wir packen unsere Koffer, die einen eher sparsam einen kleinen Koffer, andere reisen für alle Situationen vorsorgend mit größerem Gepäck. Kleidung für wärmere und auch für etwas kühlere, vielleicht regnerische Sommertage – je nach Reiseziel. Bürokleidung ist nicht angesagt – jede und jeder nimmt das mit, worin er oder sie sich wohl fühlt. Vieles, was sich als nützlich und manches, was sich als überflüssig erweisen wird.

Und natürlich viel Reiselust. Das ist vielleicht das wichtigste. Es geht ja nicht nur um Abwechslung, raus aus unserem normalen Alltag – für etliche verbunden mit der Sorge, dass ein Mensch, für den sie sonst sorgen, auch in dieser Zeit gut über diese Tage kommt. Reiselust: das hat auch mit der Suche nach einem anderen Ich zu tun. Eine Seite von sich zu leben, die sonst zu kurz kommt. Veränderungen auf Probe. Für jeden Tag ein Löffel vom Lieblingsmüsli reicht nicht aus für das Frühstück, natürlich findet nicht für alle Tage die jeweils ganz richtige Hose Platz im Koffer, und natürlich wird die Lieblingsmusik im Internet nicht so wie zu Hause auf der CD verfügbar sein. Es wird vielleicht auch anders gehen. Eine Erfahrung, die nach zu Hause mitzunehmen durchaus lohnend sein kann.

Und dann ein zweiter Gedanke. Hinter der Reiselust und dem Wunsch, für einige Tage zumindest ein klein wenig anders als sonst leben zu können, steckt auch der Wunsch, dass dies sorglose Tage sein mögen. Frei vom üblichen Stress unseres Alltags mit Arbeit, mit Lernen oder Sorgearbeit, mit Haushaltsarbeit, mit ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Gemeinde oder anderswo und manches andere. Sorglose Tage: es ist vorgesorgt, geplant, bestellt und organisiert – ich muss mich nicht kümmern. Ich kann mich auf alles einlassen: es wird schon gut sein, mich vielleicht fordern aber nicht überfordern, es wird passen. Es werden andere Menschen da sein, an meiner Seite sein. Ich will meine Freude über das, was ich sehe, teilen: auf den Fahrtstrecken, beim Gehen, beim Essen, beim Betrachten von Kirchen und Kunst und anderem.

Einige Tage anders leben können ist ein Geschenk, nicht meine Leistung.

Vor fast 200 Jahren (1826) veröffentlichte Joseph von Eichendorf die Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Sie gilt als ein Höhepunkt der deutschen Spätromantik. Hier finden wir neben dem Text auch Gedichte und Lieder; auch viele Menschen, die die Novelle nicht gelesen haben, kennen eines davon:

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen den schickt er in die weite Welt.
Dem will er seine Wunder weisen, in Berg und Wald und Strom und Feld.“

Das Gedicht geht noch weiter, in demselben sorglosen Ton. Ein bisschen naiv scheint sie – die Sorglosigkeit. Aber das ist nur ein raffinierter Trick. Eigentlich ist sie Ausdruck dessen, dass hier jemand sein Geschick Gott anvertraut:

„Den lieben Gott lass ich nur walten; der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
und Erd und Himmel will erhalten, hat auch mein Sach aufs Best bestellt.“

Damit nimmt das charmante In-den-Tag-hinein-leben eine interessante Wendung. Das ist nicht naiv, sondern von einer großen Tiefe und Weisheit: wer unbeschwert reisen will, reist am besten mit leichtem Gepäck. Das heißt, das meiste bleibt zu Hause: was uns belasten würde; zu viele Sachen und zu viele Gedanken an das, was uns nach der Rückkehr erwarten wird. Wir brauchen das nicht immer mit uns herumzutragen, nicht immer in unseren Gedanken von links nach rechts und wieder zurück zu wenden, wenn nur eines dabei ist: das Vertrauen ins Leben, das Vertrauen auf Gott. Wer dies Vertrauen hat, ist vielleicht nicht alle seine Sorgen los. Aber die Sorgen haben weniger Gewicht.

Wenn es gut geht, ist das Reisen genau das: ein guter Anlass / eine gute Zeit, das, was uns belastet, los zu lassen. Und damit auch ein bisschen mehr zu dem zu werden, der man eigentlich sein möchte. Und das Schönste daran: vielleicht bleibt ein bisschen davon auch nach der Heimkehr erhalten. Das wünsche ich allen Reisenden.

Und auch: Gesunde Heimkehr. Gottes Segen über unseren Fahrten und Wegen:

Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen, mögest du den Wind im Rücken haben,
und bis wir uns wieder sehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

Thomas Trantow

Podcast von Pfarrerin Franziska Roeber

Podcast „Geschichten des Lebens“ – Folge 15: 1 Kor 2 DAS ist echte Weisheit

24. Juni 2024
„Geschichten des Lebens“: Podcast von Pfarrerin Franziska Roeber – jetzt jeden Monat eine neue Folge auf der YouTube-Seite des Ev. Kirchenkreises Berlin Süd-Ost und der Ev. Kirchengemeinde Bohnsdorf-Grünau.
Pfarrerin Franziska Roeber erzählt in ihrem Podcast „Geschichten des Lebens“. Ruhig, nachdenklich, engagiert. Im Mittelpunkt jeder Geschichte: eine Geschichte aus der Bibel. Franziska Roeber findet die passenden Worte und Bilder, um diese biblische Welt mit ihren Geschichten in unserer Gegenwart lebendig werden zu lassen.
Neugierig geworden?
Hören Sie jetzt die neue Folge:
1 Kor 2 DAS ist echte Weisheit Podcast Folge 15
Idee und Umsetzung: Franziska Roeber
Produktion: Karsten Semmer
© Ev. Kirchengemeinde Bohnsdorf-Grünau 2024 und Ev. Kirchenkreis Berlin Süd-Ost 2024

Zu finden sind die Beiträge auf dem Youtube-Kanal unseres Kirchenkreises Berlin Süd-Ost.