Musiksommer am Müggelsee – SAITEN-WIND – Konzert für Cello-Duo & Orgel

Samstag, 30. August 2025, 18.00 Uhr Taborkirche Wilhelmshagen Saiten–Wind Musik für Cello-Duo und Orgel Werke von Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel, Josef Myslivecek, Julius Klengel u.a. Georg Boge und Christian Raudszus – Violoncello Jakob Schmidt – Orgel Saiten-Wind Zwei Violoncelli und Orgel – diese Besetzung ist eine Rarität. Und doch liegt in ihrer Verbindung etwas ganz Natürliches: Die Celli, deren Klang dem menschlichen Gesang so nahekommt, treten in einen Dialog mit der Orgel, die mit ihrem „Atem“ Räume füllt und Klangfarben von kammermusikalischer Zartheit bis hin zu orchestraler Wucht entfalten kann. „Saiten-Wind“ führt die Hörerinnen und Hörer auf eine Reise durch mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte und zeigt, wie unterschiedlich Komponisten den Dialog zwischen Stimme, Linie und Klangfülle gestalten konnten. Am Anfang steht Georg Friedrich Händel. Seine Sonate für zwei Violoncelli und Basso continuo (nach der Violinsonate op. 2 Nr. 8 HWV 393) trägt alle Merkmale barocker Kunstfertigkeit: der ernste Eingangssatz, das lebendige Fugato, die weit ausgesponnenen melodischen Linien – all das wirkt wie ein kunstvoller Dialog, in dem sich die beiden Instrumente spiegeln, ergänzen und antreiben. Einen überraschenden Kontrast setzt Béla Bartók. Seine 44 Duos für zwei Violinen sind eine Sammlung von Volksliedbearbeitungen und Charakterstücken, die in ihrer Schlichtheit und rhythmischen Vitalität bestechen. In der Fassung für Celli gewinnen sie zusätzlich an Wärme und Tiefe: Das spöttische Augenzwinkern des Spottlieds, die Motorik des Mückentanzes oder die ausgelassene Bewegung im Ruthenischen Kolomejkatanz werden zu Miniaturen von großer Ausdruckskraft. Der böhmische Komponist Joseph Mysliveček, ein Zeitgenosse Mozarts und einer der gefragtesten Opernkomponisten seiner Zeit, bereichert das Programm mit seiner Sonate D-Dur für zwei Violoncelli und Basso. Eleganz, galante Formschönheit und tänzerische Leichtigkeit kennzeichnen diese Musik. Besonders im Presto assai entfaltet sich pure Spielfreude, die den Geist des musikalischen Rokoko atmet. Julius Klengel, selbst ein legendärer Cellist und Lehrer, hat mit seinen Drei Stücken für zwei Violoncelli und Orgel op. 62 eine echte Rarität geschaffen. Hier begegnen sich das singende Timbre der Celli und die atmende Klangfülle der Orgel auf Augenhöhe. Lyrische Ruhe, innige Empfindsamkeit und feine Bewegung verleihen den Sätzen eine fast kontemplative Tiefe. Auch Jacques Offenbach, der wohl bekannteste Cellist seiner Epoche, wusste die Möglichkeiten des Instruments meisterlich auszuschöpfen. Sein Duo op. 53 II ist ein Feuerwerk an melodischer Erfindung, das zwischen geistlicher Innigkeit (Adagio religioso) und beschwingter Virtuosität oszilliert. Es zeigt Offenbachs selten gehörte kammermusikalische Seite jenseits der Operettenbühne. Den Abschluss bildet ein barockes Meisterwerk: Antonio Vivaldis Concerto g-Moll RV 531 – das einzige Doppelkonzert, das er speziell für zwei Violoncelli komponiert hat. In der Fassung für Celli und Orgel erscheint das Werk in neuem Licht: dramatisch im Eröffnungssatz, innig und empfindsam im Adagio, von sprühender Energie im abschließenden Allegro. Es ist ein Werk voller Spannung, das die expressive Kraft des Cellos auf unvergleichliche Weise feiert. „Saiten-Wind“ – dieser Programmtitel ist zugleich Bild und Metapher: Er beschreibt das Wechselspiel von warmem, gesanglichem Streicherklang und dem atmenden, raumfüllenden Klangstrom der Orgel. Gemeinsam lassen sie Musik aus drei Jahrhunderten neu erfahrbar werden – in einem Dialog, der vom leisen Lächeln bis zur großen Geste reicht. |